Die Bank ist
"...der Mittelpunkt des betriebsamen
Verhandelns
und Austauschens dieser Gemeinschaft. Hier, an diesem Ort,
fließen die
Interessen aller zusammen. Das Maß für dieses Interesse ist
das Geld. Es ist
das verbindlichste Medium unseres alltäglichen Lebens geworden. Es
ist heute
das Mittel, mit dem wir unser Zusammensein organisieren. Es ist die von
allen auf Anhieb verstandene Sprache. Das Geld ist der Inbegriff
hochgradigen Konsenses in unserer Gemeinschaft. Unsere Wertvorstellung
ist
schier identisch mit unserem Geld. In der Bank wird dieser Wert
verwahrt und
verbürgt. Hier wird jedes einzelnen Leistung in einen
verhandelbaren und
kommunizierbaren Kredit umgesetzt. Die Bank verwaltet die Sprache
unserer
Gesellschaft. Sie versichert jedem seinen Anteil an dieser Sprache,
vermittelt ihm die Sprachmächtigkeit in der Verhandlung mit den
anderen. Die
Bank gewährt uns die Verbindlichkeit unserer ganz individuellen
Möglichkeiten und verspricht uns das uns zustehende Maß, um
wieviel wir an
der gesellschaftlichen Wirklichkeit teilnehmen können. Die Bank
vermittelt
jedem den ihm gebührenden Kredit zu seiner gesellschaftliche
Glaubwürdigkeit. Thomas Huber, Die Bank Eine Wertvorstellung.
In der Tat
verlangt das Geld, dass man beständig auf der Hut ist. Um arm zu
werden
braucht man sich nur gehen zu lassen; wer sich bereichern will
muß gierig
sein. Unsere Beziehungen zum Geld erfordern eine Spannung. Die auf keine
andere zurückgeführt werden kann. Immer muß man das
Geld von jemandem nehmen
oder gegen jemanden verteidigen. Durch das Geld tritt uns der Andere
entgegen. Der Geldakt tritt nur in der Aggressivität statt. Unsere
Zivilisation hat ihren Ursprung in einer wahren
Energieübertragung: alle
psychische Spannung, die auf die Religion gerichtet war, wurde
auf die
Ökonomie gelenkt. Wenn die bürgerlichen Gesellschaften
überleben wollen,
müssen sie, koste es was es wolle, den Prozeß des Geldes
aufrechterhalten, Bedürfnisse wecken, Finanzierungen erfinden . Sie befinden
sich permanent
mitten in der permanenten Inflation. Nur zu diesem Preis können sie überleben. Der Staat ist der große Programmierer der
Ausgaben. Er bewilligt
Arbeit, und der, dem Arbeit gewährt worden ist, bedankt sic
dafür, denn
Arbeit ist eine Gnade geworden. Die Arbeit von heute bringt die Schulden
nicht mehr ins Gleichgewicht: sie vermehrt sie. Das Geld hat sich in der
Abstraktion verloren. Ursprünglich stellt es einen materiellen
Reichtum dar,
später das Symbol dieses Reichtums; heute ist es nur noch ein
Zeichen zur Bewertung der Produktion.
André Amar, Psychoanalytischer Versuch
über das Geld.
Geld ist ja nichts anderes als inkarnierte menschliche Energie, die im
Geld wie in einer Batterie der Lebenskraft gespeichert erscheint.
Verfüge ich über Geld, so verfüge ich über zusätzliche menschliche Energie. Ich kann
dafür Nahrung kaufen, aber auch Prestige, Ehre, Ansehen, Sexualität,
Zuwendung, Schönheit, Macht, Trost. All diese Dinge erscheinen wie
Vergrößerungen meiner eigenen Energie, sie vermehren diese
Energie ja auch tatsächlich, denn sie fügen ihr zumindest einen Teil der
Energie zu, die in den gekauften Dingen und Leistungen enthalten ist. Aber eben darum macht
Geld auch in dem Maße unglücklich und erweckt Schuldgefühle, wie das
Über-Ich mir den Genuß verbietet oder mich daran erinnert,
daß meine gekauften Energien eigentlich die Energien anderer sind der
Ahnen, der Armen oder der Ausgenutzten. Peter Krieg, Die Seele des Geldes
Das berechenbare Prestige, der Zuwachs an Geltungsversprechen, der sich
mit
dem entsprechenden spezifischen Kunstbesitz verfolgen läßt,
ist die eine
Richtung, die zur Erklärung der grotesken Preisexplosion
herbeigezogen
werden muß. Die andere Richtung, welche die bisherige
Ökonomie des
Kunsthandels zusammenbrechen läßt, rührt von der
Kriminalisierung des
internationalen Handels- und Geldsystems her. Kunstwerke werden
zunehmend zu
idealen Medien, schmutziges Geld zu waschen. ... Der Kunstmarkt wird zu
einer Wachstumsbranche für dubiose Kapitalinterventionen. Immerhin
wertet
das nicht das Handelsgut ab, denn der ästhetische Schein von
"Kunst" wird
jenseits solcher Negativwirkungen weiter perfektioniert. Kunst bleibt
durch
ihre Trivialisierung im Sinne romantischer Künstlermythen für
kompensatorische Neigungen weiterhin unverändert interessant.
Diese Neigung
gründet tiefer als die Kapitalisierung der Kunst, ohne welche die
moderne
Kunst schlechthin nicht mehr verstanden werden kann.
Hans Ulrich Reck
Reicher Mann und armer Mann standen da und sahen sich an. Und der Arme
sagte
bleich:" Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich."
B.Brecht
Was heute als höchste Offenbarung künstlerischen Genies in
die Wolken
gehoben wurde, ist in höchstens zehn Jahren vergessen und weckt
nur noch
historisches Interesse.
Clara Zetkin
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Die 5 Großen 1970: 1. Fontana 2. Frankenthaler 3. Gaul
4. Geiger 5. Gerstner
C. Monet, Santa Maria della Salute (1908), 1979: 981 000 DM, 1989: 21470000 DM
Die bildenden Künstler produzieren in fieberhafter Hast für
die großen
Warenbasare ihrer Kunst, Ausstellungen genannt; der Komponist schafft
ebenso
den "Clou" der neuen Saison, der Schriftsteller hetzt sich ab für
den Weihnachtsmarkt. Der Künstler geht in den betriebsamen
Industriellen und
Händlern mit künstlerischen Waren unter, sein
künstlerisches Kapital ist
bald vertan, aus einem Mehrer wird ein Fälscher der Kulturwerte.
Clara Zetkin
Die Kunst geht nach dem Brot.
Lessing
Im 17. Jahrhundert gab es in Den Haag zeitweise mehr Künstler als
Bäcker.
"Ihr könnt drei Tage ohne Brot leben; - ohne Poesie, niemals; und
diejenigen
unter euch, die das Gegenteil behaupten, sind im Irrtum: Sie kennen sich
nicht." Baudelaire
P.Picasso, Le garcon
bleu (1905) 1978:
101 000 DM
1989: 12 670 000 DM An der Spitze der Pyramide steht die Elite. Sie ist eine auserlesene
Minderheit von besonderer sozialer, geistiger, sittlicher Qualität.
Wirtschaftspolitische Grundinformation.
Du edles Fräulein Geld, um dich wirbt jedermann. Was machts, weil
deine Lieb
auf Erden alles kann. Du edles Fräulein Geld Du bist der Erden
Herze der
Herzen ihr Magnet der Augen Liebeskerze mehr als Penelope; es buhlt die
ganze Welt um dich du bist die Braut du edles Fräulein Geld um
dich ein jeder wirbt. Mann reitt, mann fährt, mann lauffet, man rennt nur nach dir.
Um dich man sich hier rauffet, das Gold der neuen Welt die Alte Kriege
macht.
Satirisches Flugblatt auf die Macht des Geldes. 1652.
Im Reich der Zwecke hat alles entweder einen Preis oder eine
Würde. Was
einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent
gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin
kein
Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.
Kant
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