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und wer waren die



Göttinger Sieben ?


 




Der Sockel beherbergte unseren Landesvater Ernst August. Nicht immer stand er vor dem Bahnhof. Als dort die U-Bahn gebaut wurde, mußte Ernst August den Platz, den das treue Volk nach ihm benannte, zeitweilig verlassen. Vor dem Landtag wurde ihm ein Ausweichsockel errichtet - damit die Hannoveraner keinen einzigen Tag ihren König entbehren mußten. So treu blieben sie ihm, den der Historiker Heinrich Treitschke mit den Worten charakerisierte: "Roh und Grausam", "feige, unritterlich", schlecht erzogen, nicht bloß aller Bildung bar, sondern ein abgesagter Feind der Wissenschaft". Bismark schrieb über Ernst August: "Diese wüste Natur...hätte den Landeskindern die Beine einzeln abgehackt, wenn man dafür nur genügend Dukaten in die Privatschatulle bekommen hätte."

 
 


 

Einen Einschnitt in der stetigen wissenschaftlichen Fortentwicklung der Universität Göttingen bedeutete die Maßregelung der Göttinger Sieben (14.12.1837). Nachdem hundert Jahre nach Georg II. nun Wilhelm IV. (1830-1837) als Letzter König von England und Hannover in Personalunion war, hielt es sein Nachfolger, König Ernst-August von Hannover für nötig, als einer seiner ersten Maßnahmen am 1. November 1837 die von Friedrich Christoph Dahlmann entwickelte und 1835 in Kraft getretene Verfassung wieder zurückzunehmen. Er ersetzte diese durch die die Freiheit und Wissenschaft stärker einschränkende alte Verfassung von 1819. Versammlungsverbote waren die Folge, Aufhebung politischer Vereine und Beschränkung der Lehrfreiheit an der Universität. Sieben Göttinger Professoren erhoben gegen den Widerruf der liberaleren Verfassung am 18. November 1837 schriftlich Widerspruch und wurden im Gegenzug am 14. Dezember des Amtes enthoben.
 
Es handelte sich um

-Friedrich Christoph Dahlmann (Historiker)

-Jacob Grimm (Germanist)
-Wilhelm Grimm (Germanist)
-Wilhelm Eduard Albrecht (Jurist)
-Georg Gottfried Gervinius (Literaturhistoriker)
-Heinrich Ewald (Orientalist) und
-Wilhelm Weber (Physiker)


Dahlmann, Gervinius und Jacob Grimm wurden zudem noch des Landes verwiesen. Die berühmtesten unter ihnen sind wohl die Gebrüder Grimm. Jacob Grimm studierte zuerst Jura und wurde dann 1830 Germanistikprofessoer in Göttingen, sein Bruder Wilhelm folgte ihm ein Jahr später. 1841 wurden beide Mitglieder der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Ebenso bekannt war Wilhelm Weber, der Physiker. Er baute 1833 mit Gauß in Göttingen die erste Telegraphenanlage und entwickelte die elektrodynamischen Maßbestimmungen, die zur Grundlage für die späteren internationalen Maßbestimmungen wurden. Als vierter sehr bekannter Mann unter diesen sieben Göttinger Professoren ist Friedrich Christoph Dahlmann zu erwähnen. Er war Historiker und Politiker und wurde 1829 Professor der Staatswissenschaften in Göttingen. In der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 war er einer der Führer der kleindeutschen Partei.


Die Würdigung dieses Ereignisses war vielschichtig. Der Schritt der Göttinger Sieben wurde als Zeichen des Wiederauflebens der liberalen Bewegung in Deutschland sehr beachtet. Nicht zuletzt deshalb wurden neben Dahlmann die Mehrzahl der Göttinger Sieben 1848 Mitglied des Frankfurter Paulskirchenparlaments. Die Göttinger Universität aber verlor sieben außerordentlich fähige und bekannte Professoren und damit für viele den Reiz, in Göttingen zu studieren. Die Besucherzahl hielt sich jahrzehntelang unter 800, erst ca. 20 Jahre später konnte sich die Universität leidlich erholen. Die wirtschaftliche Stärke der Stadt war 1837 weitgehend gefestigt und erlitt keinen wesentlichen Rückschlag. (Vielmehr wurde Göttingen im Jahre 1854 sogar an das Eisenbahnnetz angeschlossen.) Auf lange Sicht war es sicher eher ein deutliches Positivum, daß Göttingen für sich in Anspruch nehmen konnte, Leute von solchem Ruf und Gewicht wie die Göttinger Sieben hervorgebracht zu haben.

Quelle:   Die Geschichte der Stadt Göttingen und der Universität
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