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Göttinger Sieben

1986 veranstaltete die Adolph-Freiherr-von-Knigge-Gesellschaft eine öffentliche Diskussion über den leeren Sockel am Landtag. Das Ergebnis: An dieser Stelle müsse der Göttinger Sieben gedacht werden. Sie seien auf den von Ernst August geräumten Sockel zu heben. In der vordemokratischen Geschichte Niedersachsens habe niemand in gleicher Weise wie sie durch rückhaltloses Handeln Bürgertugenden verkörpert, an denen sich Demokraten ein Beispiel nehmen könnten: Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewußtsein, Mut, Treue zu Recht und Verfassung. Nach lebhafter Diskussion ­ nicht auf dem Podium, sondern im Saal ­ sprachen sich die Teilnehmer mit großer Mehrheit für diesen Vorschlag aus.
Im November 1987 jährte sich zum 150. Mal die "Protestation" der Göttinger Sieben. Sieben bildende Künstler aus Hannover, von denen einige die Diskussionsveranstaltung miterlebt hatten, entschlossen sich zu einer Aktion, um den Vorschlag zu bekräftigen. Bevor am Abend des 17.November 1987 im Foyer des Historischen Museums dessen Direktor Dr. Waldemar Röhrbein und der Verfassungsrichter Prof. Dr. Thomas Blanke über den Verfassungskonflikt von 1837 referierten und Ensemble-Mitglieder des Deutschen Theaters Göttingen mit historischen Texten das damalige Geschehen anschaulich machten, enthüllten die sieben Künstler neben dem Landtag ein provisorisches Denkmal, das sie gemeinsam gestaltet hatten.

 

Jeder von ihnen ( Harro Boit, Hans Jürgen Breuste, Bernd-Wolf Dettelbach, Leiv Warren Donnan, Leo Hüskes, Detlef Kappeler, und Jànos Nàdasdy) hatte einen der Göttinger Sieben porträtiert; an einem Holzgestell waren alle sieben Bilder befestigt. Das provisorische Denkmal sollte auf dem seit Jahren leeren Sockel stehen.

Aber kaum war die Aktion angekündigt, ließ eine besorgte Verwaltung einen Trupp mit Preßlufthämmern anrücken. Der Sockel verschwand im Nu. Die hannoverschen Sieben waren dadurch nicht zu entmutigen.Sie bewiesen Improvisationstalent, besorgten kurzfristig einen Tieflader und ließen als Ersatzsockel einen großen Container heranschaffen.
Eckart Spoo, ein Denkmal für Zivilcourage
 in: Die Göttinger Sieben. Der Wettbewerb für das Landesdenkmal in Hannover. 1994