|
|
Gebündelt, gefaltet, gestreckt. Die hannoversche Kunst-Kiste ist ein Ding zwischen Zimmermuseum, Multi-Multiple und Stadt-Portrait; damit wehrt sie sich einerseits gegen jegliche Art von Vereinnahmung und andererseits verankert sie sich damit fest in der Kunstgeschichte der vergangenen drei Jahrzehnte...Diese Museen in Taschenformat standen in der Tradition der in den 60er und 70er Jahren sprießenden Multiple-Euphorie - die kleine Kunst für den kleinen Mann. Kunst sollte durch Vervielfältigung ihren elitären Charakter verlieren. Und die Künstler der hannoverschen Kunst-Kiste stehen insofern noch in dieser Tradition, als daß sie sich weitgehend unabhängig vom Galerieleben halten und einen sehr direkten Kontakt von Künstler, Werk und Liebhaber bevorzugen. |
|
||
|
Ein Hannover-Topos eingekastelt. Stadt komprimiert findet sich in der Kunst-Kiste - 17mal die individuelle Topographie eines in Hannover ansässigen Künstlers. Mit der Geschichte der Stadt lebt im Alltag kein Einwohner; da hat man sehr viel direktere Bilder vor Augen: uniforme Häuser und individueller Anstrich, schlaffe Fahnen und aufreizende Werbeszenen, Papierfetzen und Fußabtreter vor den Türen. Gegen diesen Realismus ist die historische Tradition ein Phantomgebilde. "Haarmann" ist ein Name, den man mit einer Gruselgeschichte verbinden kann oder mit einem historisch sentimentalen Schlager, aber er hat nichts mehr mit der Stadt zu tun, sie sieht heute an dem Ort des damaligen Geschehens so anders aus, daß nur das Wissen sie zur gleichen Stadt macht. Und wird das innere Gleichgewicht verletzt, wenn wieder ans Licht kommt, daß 1631 ein Maler einen Bildhauer erstochen hat? "Damals in Hannover" ist für die Künstler ein Spiegel, durch den man ins Heute blicken kann, in die Realität hinter der Lebendigkeit, - ein Reflex auf Cocteaus Spiegel-Tür, durch die Orphee vom Diesseits ins Jenseits wandert. |
||||
|
||||